
Fürstenfeldbrucker Tagblatt: Spendenübergabe Pfarrheim-Neubau


VON ARNO PREISER
Fürstenfeldbruck – Für das Benefizkonzert der Brucker Chorgemeinschaft in der Pfarrkirche St. Magdalena zugunsten des Neubaus des Pfarrheims bot Chorleiter Klaus Linkel ein originelles Programm. Die etwa 300 Besucher lernten eine seltene Fassung von Schuberts „Deutscher Messe“ kennen.
Zunächst spielt die koreanische Organistin Yeni Yun ein herausragendes Orgelwerk Bachs „Präludium und Fuge, Es-Dur BWV 552“. Bei strahlendem Klang verdeutlichte sie das kunstvolle Stimmengefüge des Präludiums. Dessen Dreiteilung, als Sinnbild der Dreifaltigkeit gedeutet, hat ungewohnten Umfang zur Folge. Dem entspricht die Tripelfuge, die Yeni Yun zunächst mit gewichtigen Schritten, später unter anderem mit eiligen Läufen entfaltete.
Dem großartigen Eindruck folgte Cherubinis „Ave Maria“, von Elisabeth Hallberg zum weichen Klang der Holzbläser aus Gernlinden mit leuchtendem Sopran gestaltete. Der Chor sang nun die nicht für den Gottesdienst bestimmten „Gesänge zur Feier des heiligen Opfers der Messe“, Auftrag eines Professors, dem an volkstümlicher Kirchenmusik lag.
Als klangliche Besonderheit der „Deutschen Messe“ schließt Schubert Streicher zugunsten von Holz- und Blechbläsern aus. Ganz im Sinn dieses letzten Wiener Klassikers betonten die Sänger die Forte-Piano-Kontraste. Den Einganggesang leise beginnend, „Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?“, antworteten sie mit dem kräftigen Ruf „Zu dir, zu dir, o Vater“. Bei dem zum Evangelium und Credo bestimmten Stück folgten verhaltenen Worten („Noch lag die Schöpfung formlos da“) strahlende: „Er sprach´s, und es ward Licht“. Das erinnerte an Haydns „Schöpfung“. Erschien das „Heilig ist der Herr“ noch zart und geheimnisvoll, so steigerte der Chor das Sanctus zu entschiedenem Bekenntnis, „Er, der nie begonnen, er, der immer war“, um wieder sanft zu enden.
Obwohl Linkel den „Sehr langsam“ überschriebenen Satz nach der Wandlung zügiger singen ließ, wirkte er besinnlich: „Betrachtend deine Huld und Güte, o mein Erlöser gegen mich, seh´ ich beim letzten Abendmahle im Kreise deiner Teuren dich“.
Beim „Gebet des Herrn“ verband sich erneut erbaulicher Text mit liedhafter Melodik zu tief empfundener, von prachtvollem Bläserklang begleiteter Hymne: „Anbetend deine Macht und Größe versinkt im Nichts mein bebend Ich“. Romantisches Melos drückten Solistin, Chor und Bläser in Francks „Panis angelicus“ aus. Bei den Meditationen erläuterte Pfarrer Michael Bayer liturgisch-historische Zusammenhänge.

VON ARNO PREISER
Fürstenfeldbruck – Mit der Chorgemeinschaft MGV Fürstenfeldbruck und dem Orchester des Südböhmischen Theaters Budweis sorgte Dirigent Klaus Linkel im Stadtsaalkonzert „Strauß & Co. meet Gershwin and Friends“ für amüsante Überraschungen. Drohte einst Händel eine widerspenstige Operndiva aus dem Fenster zu werfen, so beließ es Linkel beim lautstarken „Schluss jetzt, meine Damen“, als sich „Operettendiva“ Christine Bath (Sopran) und „Musicalstar“ Christine Leyser (Alt) schon vor Beginn hinter der Bühne um den ersten Auftritt stritten.
Zur Beginn brachte das Orchester den Kaiser-Walzer (Berlin 1889) als sinfonisches Werk zur Wirkung, mit militärisch anmutender Blechbläser- und Schlagzeugdisziplin neben Walzerseligkeit. Den Walzer „Grüß´ dich Gott, du liebes Nesterl!“ aus der Operette „Wiener Blut“ sang die Sopranistin durchdringend, mit effektvollen Koloraturen. Die fetzige Fledermaus-Ouvertüre passte dazu, gefolgt von der Sopranistin mit dem Csárdás „Klänge der Heimat“, sentimental wie dann flott-verwegen. So überzeugte sie auch beim melodiösen Schmachten von Lehárs „Giuditta“.
Beklagte der Dirigent weibliche Eitelkeit, so duettierten Sopran und Alt beim Junggesellentrost aus der „Lustigen Witwe“: „Ja, das Studium der Weiber ist schwer.“ Vor und hinter dem Orchester aufgereiht schwangen Choristinnen die Beine wie bei einer flotten Revue und bekräftigten das für Männerchor gedachte Lied lauthals. Mit „Heija in den Bergen“ aus Kálmáns „Csárdásfürstin“, vom Orchester magyarisch gefärbt, hatten sich Leyser als voller, warm timbrierter Mezzosopran und der sangesfreudige, komödiantisch auftrumpfende Frauenchor vorgestellt.
Nach der Pause knüpften Altistin und Orchester mit dem Song “By Strauss“, den Gershwin seinem „Amerikaner in Paris“ als Hommage einfügt, an den Beginn an. Da wechselten Annäherungen an die wienerische Art des Walzerkönigs mit Wunschträumen, so das Lied „I want a melody by Strauss“, das die Sängerin swing-schwärmerisch vortrug. Beim Vorspiel zum Musical „Girl Crazy“ gefielen die Musiker mit schräger Harmonik, „verrückt“ wie der Titel. Betörend dehnte die Altistin das Liebeslied „Someone to watch over me“ aus dem Gershwin-Musical „Oh Kay!“. Der Abend endete mit dem Prototyp einer Swing-Nummer, gemeint ist „I got Rhythm“ aus „Girl Crazy“. Dabei trafen sich hier Operettendiva und Musicalstar erneut zu brillantem Duett, das der gemischte Chor punktgenau fortsetzte.