Archiv der Kategorie: Presse

Fürstenfeldbrucker SZ: Neujahrskonzert 2017

Polkaschritt und Walzertakt

Gelungenes und unterhaltsames Neujahrskonzert der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck mit dem Westböhmischen Sinfonieorchester Marienbad im Stadtsaal

Von Klaus Mohr

Wer in den Annalen blättert, der stellt fest, dass die Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck als Männergesangverein MGV im Jahr 1861 gegründet wurde, 2016 also das 155. Gründungsjubiläum begehen konnte. Damit handelt es sich um den ältesten Chor der Kreisstadt, auch wenn längst die Frauen die Mehrheit übernommen haben. 1995 fand das erste Neujahrskonzert der Gemeinschaft statt, womit eine inzwischen zum 22. Mal fortgeführte Tradition begründet wurde. Wer nachrechnet, der bemerkt, dass 2017 eigentlich das 23. Neujahrskonzert hätte stattfinden müssen. Doch vor einem Jahr musste es wegen einer Erkrankung des gefühlt ewigen Chorleiters (konkret seit 1982) Klaus Linkel abgesagt werden.

In den beiden Neujahrskonzerten an den ersten zwei Januar-Tagen im ausverkauften Stadtsaal war von Resignation jedoch nichts zu spüren. Alle Akteure auf der Bühne, darunter die vierzig Sänger der Chorgemeinschaft, waren bester Laune, die sich nahtlos auf die Besucher übertrug. Es herrschte eine wunderbare Stimmung – wie immer bei dieser Veranstaltung.

Ein hohes Maß an Verlässlichkeit gehört zu diesem Konzert: Das Programm stammt großteils aus dem Genre der Operette. Seit Jahren treten immer die gleichen Solisten auf, ein Beweis dafür, dass die musikalische Chemie stimmt und dass sich das Publikum freut, die Sänger wieder zu hören. Auch diesmal waren die beiden Sopranistinnen Christina Gerstberger und Laura Faig zu Gast, sowie der Tenor Christian Bauer und der Bariton Torsten Frisch. Jeder Sänger hat hier nicht nur seine Stimmlage, er verkörpert auch einen bestimmten Bühnentypus, der die wesentlichen Charaktere der Verwechslungs- und Verbandelungsgeschichten ideal abdeckt. Lilli Linkel führt mit gut gesetzten Worten durchs Programm und schafft dadurch inhaltliche Verbindungen, oder sie belässt es geschickt bei Andeutungen, die der Zuhörer selbst entschlüsseln muss. In diesem Jahr war auch wieder das Westböhmische Sinfonieorchester Marienbad da, ein sehr routiniert musizierender und äußerst zuverlässiger Klangkörper.

Mit dem Kaiser-Walzer von Johann Strauß begann das Programm. In stimmigem Tempo sowie ausgewogener Balance zwischen Streichern und Bläsern entwickelte sich ein schöner symphonischer Klang. Dynamische Steigerungen und rhythmische Präzision waren für die musikalische Überzeugungskraft verantwortlich. Nicht Prinz Orlofsky lud sich dann gern Gäste ein, sondern die Chorgemeinschaft: Sie intonierte als Veranstalter dessen Worte aus der „Fledermaus“. Mit „Höre ich Zigeunergeigen“ stellte sich Christina Gerstberger als Gräfin Mariza vor. Ihr intensives Timbre entsprach hier ganz der Rolle als reife Frau. In „Florenz hat schöne Frauen“ begegneten sich Boccaccio (Torsten Frisch) und Fiametta (Laura Faig). Während er darstellerisch und stimmlich den erfahrenen Herrn gab, setzte sie auf die spielerische Unschuld. Christian Bauer verfügt über einen sehr ausgeglichenen und in jeder Tonlage gut ansprechenden Tenor. Das Auftrittslied des René „Mein Ahnherr war der Luxemburg“ aus Franz Lehárs „Graf von Luxemburg“ war, auch in Kombination mit den Chorzwischenspielen, ebenso präzise wie unterhaltsam.

Es steht zu vermuten, dass es diese Neujahrskonzerte nicht mehr gäbe, wenn sie nicht ganz in der Hand von Klaus Linkel liegen würden. Vordergründig motiviert und dirigiert er nur. Tatsächlich aber ist im Konzert der wohl wesentlichste Teil seiner Arbeit fast unbemerkt schon geschehen: Er zeichnet für die Chorarrangements verantwortlich, eine Aufgabe, die nicht nur hohe Sachkenntnis und Einfühlungsvermögen, sondern auch viel Zeit erfordert. Dadurch lassen sich die Chorauftritte mit den vorgesehenen Ausschnitten aus den Operetten auf eine Weise verzahnen, die den sängerischen Möglichkeiten der Chorgemeinschaft ebenso wie ihren Stärken gerecht wird. Es entsteht ein beeindruckendes, individuell auf die Situation zugeschnittenes Gesamtkunstwerk, welches das Publikum begeistert. Allein deshalb darf man sich über die Ankündigung des Neujahrskonzerts 2018 im Programmheft freuen.

Fürstenfeldbrucker Tagblatt: Neujahrskonzert 2017

Pressebericht, Fürstenfeldbrucker Tagblatt, 03.01.17

2017 beginnt mit operettenhaftem Schwung

Begeisterten beim Neujahrskonzert: die Chorgemeinschaft und das Westböhmische Symphonieorchester Marienbad. FOTO: WEBER

Von Ulrike Osman

Fürstenfeldbruck – Der Stadtsaal im Operettenhimmel: Beim Neujahrskonzert der Chorgemeinschaft ließen die Sänger gemeinsam mit dem Westböhmischen Symphonieorchester Marienbad und vier Solisten ein Feuerwerk an musikalischer Seligkeit aufsteigen.

Am Dirigentenpult stand gewohnt souverän Chorleiter Klaus Linkel. Es war das zweite Mal, das der 69-Jährige seit seiner Genesung von einem Hörsturz wieder in Bruck auf der Bühne stand. Im vergangenen Jahr musste das Neujahrskonzert kurzfristig abgesagt werden, doch darüber verlor an diesem Abend niemand mehr ein Wort – nicht einmal eine Anspielung kam Moderatorin Lilli Linkel über die Lippen. Sie beschränkte sich darauf, in ihrer charmanten Art die Geschichten rund um die Operetten-Auszüge zu erzählen und sich augenzwinkernd kleine Wortgefechte mit Ehemann Klaus zu liefern.

„Das fängt ja gut an“, war der erste Teil des Programms überschrieben, und damit hatte die Chorgemeinschaft nicht zu viel versprochen. Johann Strauß’ „Kaiserwalzer“ – vom Orchester makellos intoniert – bildete den rauschenden Auftakt zu fast einer Stunde Operetten-Hits von allen, die auf diesem Gebiet Rang und Namen haben, darunter Emerich Kalmán, Franz Lehár, Franz von Suppé, Arthur Sullivan und Carl Millöcker. Die Solisten Christina Gerstberger und Laura Faig (beide Sopran), Christian Bauer (Tenor) und Torsten Frisch (Bariton) durften sich nicht nur stimmlich, sondern auch schauspielerisch austoben, was ihnen sichtlichen Spaß machte.

Gerstberger gab unter anderem mit einer Adaption des „Schwipslieds“ aus der Strauß-Operette „Eine Nacht in Venedig“ eine amüsante Vorstellung als Angeheiterte. Bauer ließ den Herzschmerz des Prinzen Sou-Chong („Immer nur lächeln“) greifbar werden, und Laura Faig becircte den ewigen Schwerenöter Torsten Frisch („Ich bin verliebt“). Dass sowohl Bauer als auch Frisch erkältet und deshalb nicht hundertprozentig bei Stimme waren, merkte man höchstens an seltenen Kieksern.

Der knapp 40-köpfige Chor unterstützte die Solisten mit Leidenschaft und nach offensichtlich perfekter Vorbereitung. Das Zusammenspiel von Orchester, Chor und Solo-Stimmen wirkte mühelos unter Linkels raumgreifendem, fast tänzerischem Dirigat – und das, obwohl alle Mitwirkenden normalerweise nur am Tag des Auftritts gemeinsam proben. Nach der Pause fokussierte sich das musikalische Geschehen auf eine einzige Operette, nämlich Franz Lehárs „Graf von Luxemburg“. Dieses Werk hätte bereits bei dem ausgefallenen Konzert vor einem Jahr auf dem Programm stehen sollen.

Die herrlich unrealistische Story um einen verarmten Adligen, der für Geld eine Schein-Ehe eingeht und sich dann prompt in die Angetraute verliebt, führt nach einigen Wirrungen – natürlich – zum Happy End. Das Finale vom unverhofften großen Glück setzte dann einen optimistischen Schlusspunkt – kein schlechter Start für ein neues Jahr.

Fürstenfeldbrucker Tagblatt: Herbst-Klassik

Nach Hörsturz: Dirigent Klaus Linkel feiert Comeback

Mittlerweile mit total weißem Haar, schwingt Klaus Linkel den Dirigentenstab wie eh und je. Zu Beginn seines ersten Konzertes nach seinem Hörsturz sah man dem 69-Jährigen die Anspannung förmlich an. © Weber

Von Max-Joseph Kronenbitter

Fürstenfeldbruck – Klaus Linkel ist wieder da. Gut zehn Monate nach einem Hörsturz, der zu einem Hörverlust auf einem Ohr führte, dirigierte er sein erstes Konzert – zu Beginn sichtlich angespannt.

Zusammen mit dem Westböhmischen Symphonierorchester aus Marienbad gestaltete Linkel ein anspruchsvolles Konzert mit den beiden tschechischen Star-Komponisten Friedrich Smetana und Antonin Dvorak. Eine Einführung in die drei ausgewählten Teile des sechsteiligen Orchesterzyklus ‚Mein Vaterland’ liefert der Dirigent gleich selbst. Vysehrad, die Festung am südöstlichen Steilufer der Moldau gelegen, erlebt ihren Niedergang. Fast schon berühmt ist die zweite symphonische Dichtung: die Moldau von der Quelle bis zum behäbiga dahinfließenden Fluß. Als drittes Blanik, der Berg, in den sich die stolz marschierenden Ritter zurückgezogen hatten. Ob Linkel deswegen Smetana ausgesucht hat, weil der am Ende seines Vaterland-Zyklus bekannt hatte, dass er völlig taub geworden sei? Wer weiß.

Dieses Schicksal ist dem 69-jährigen Musiker erspart geblieben. Im Dezember vergangenen Jahres hatte der Leiter der Brucker Chorgemeinschaft einen Hörsturz auf einem Ohr erlitten. Es war ein Schock, Neujahrskonzerte mussten abgesagt werden. Es war fraglich, wie es weiter gehen sollte. Die Unsicherheit war groß.

Nicht einmal ein Jahr später steht Linkel aber bereits wieder auf der Bühne. Die Anspannung ist dem 69-jährigen bei seinem Comeback jedenfalls anzusehen. Beinahe vergißt er den obligatorischen Händedruck mit dem Konzertmeister vor dem Beginn. Mit einem beherzten Sprung erobert er das Dirigentenpodest zurück und lächelt. Dann legt er los.

Nach ein paar wild umgeblätterten Seiten verfliegt die Anspannung, und Linkel zeigt vollen Körpereinsatz, um den lieblichen Reigen der Wassernymphen zu zaubern. Phasenweise tief in die Knie gebeugt, federt er sofort wieder heraus, wenn es gilt, die Moldau-Stromschnellen bei St. Johann zu umschiffen.

Klaus Linkel hat das tschechische Orchester, mit dem er in den Jahren vor seinem Hörsturz immer wieder mal arbeitete, zweifellos (wieder) im Griff. Die Spannweite seiner Arme wirkt absolut raumgreifend, die „Verlängerung“ eines Armes mit dem Dirigentenstab hat der 69-Jährige meist gar nicht nötig. Wenn der Sieg der tschechischen Nation zu Gehör gebracht werden soll, dann bebt sein mittlerweile total weißes Haar und der Mann an der Pauke weiß, dass er jetzt Schwerarbeit leisten muss. Dynamischen Schrittes eilt Klaus Linkel schon beim Pausenapplaus mehrfach wieder auf die Bühne. Nach der Pause hat er den Violin-Solisten Martin Kos für das Violinkonzert Nr. 1 von Max Bruch engagiert. Auch hier zeigt sich, dass Solist, Dirigent und Orchester eine Einheit bilden und dank unmissverständlichem, von fast schon energischer Gestik begleitetem Dirigat ein harmonisches Gesamtkunstwerk in einem akustisch nicht idealen Stadtsaal entsteht. Das steigert sich sogar noch bei Dvoraks slawischem Tanz Nr. 2, bei dem Linkel beweist, dass ein guter Dirigent auch mit der Mimik in seinem Gesicht dirigiert. Bei einem weiteren slawischen Tanz als Rausschmeißer-Zugabe hat Klaus Linkel genauso viel Spaß wie die Zuhörer. Auch das Orchester ist mit seinem Comeback zufrieden und die Musiker tippen – zumeist freundlich lächelnd – mit dem Geigenbogen auf ihr Notenblatt.